Ölberg, Davidsstadt und Klagemauer

Heute früh nehme ich mir viel Zeit für den Blog
Ich habe schon 3 Tage nachzutragen und
Muß oft überlegen was wann war
Gegen 10:00 schlendere ich dann ganz gemütlich
Zum Löwen-Tor hinaus
Rüber zum Ölberg vorbei an hundert Bussen

Zum Glück sind die ganzen Leute
Immer nur da wo es was kostet
Der Ölberg selbst ist zwar steil aber frei
an einigen Stellen ist er als Park gestaltet
Anderswo wie ein Acker mit Bäumen
Dazwischen hohe Mauern mit Stacheldraht

Alle berühmten Kirchen und der Garten Gethsemane
Sind abgeschottet wie die Zentralbank
Erst hohe Mauern und obenauf noch Zaun
Nur gegen Kohle kommt man da rein mit langer Schlange
Dann wird man durchgewälzt und darf kaum stehen bleiben
Aber gleich daneben sind echte Kleinode zu finden

War heute in einer griechisch-orthodoxen Kirche ganz oben
Der Pfarrer hat mit Strohhut den Hof gekehrt
Seine Hühner und zwei Pfaue haben in den Haufen gescharrt
War total schön da oben und nicht so protzig
Dann bin durch die Palestinensische Siedlung gelaufen
Habe die schussfesten Fensterläden der Schule bewundert

Mittags gab es Falafel mit Salat
Und einen guten arabischen Kaffee
Auf dem Weg nach Unten hab ich eine gute
Fotoposition für die Russisch-orthodoxe Kirche gesucht
War aber nicht erfolgreich – 5 m hohe Mauern und Tore
Den besten Blick hat man von weiter weg

Da glänzen die goldenen Zwiebeln schön in der Sonne
Und so bin ich quasi über die David-Stadt gestolpert
David-Stadt ist eine archäologisch-medial aufbereitete Stätte
mit 3D Kino wird gezeigt wie David damals das Areal erobert hat
Wo sein Palast und der erste Tempel standen
Wie die Wasserversorgung mit Tunneln gelöst war

In diese Tunnel kann man auch rein
Auch hier gibt es einen trockene Tunnel
Und ‚Hesekiels Tunnel‘ – da fließ 60 cm hoch das Wasser
Ist ein Heidenspaß für größere Schulkinder
Haben alle Taschenlampen und Badesachen dabei
Und stelzen etliche hundert Meter durch das kühle Wasser

Auf dem Rückweg war ich am Westwall
Nein – nicht die alte Grenze zu Frankreich
sondern ein Stück Mauer des zweiten Tempels
Was die Römer stehengelassen hatten und
Die Muslims in die Mauer des Felsendoms integriert haben
Der Westwall (die Klagemauer) ist Anbetungsstätte der Juden

Daneben beginnen die Tunnel unter dem Tempelberg
Weger derer es vor einiger Zeit zu schweren Unruhen kam
Die Muslims wollten verhindern
Das die Israelis unter Ihren heiligen Berg graben
Heilig – weil Mohamed von hier zum Himmel gefahren ist
Doch die Israelis wollten die Reste ihrer Tempel suchen

In die Tunnel kommt man nur mit Voranmeldung
Und ich hatte heute schon genug Tunnel in der David-Stadt
Auf dem Rückweg zum Hostel kaufe ich noch ein
Wein gibt es nicht in den Souks aber Bitter Lemon
Und dazu Pita und Oliven und Thunfisch und Kuchen
Auf der höchsten Dachterasse des Hostels wird gespeist

Und jetzt hocke ich schon seit 4 Stunden im WLAN-Raum
Hatte soviel gute Unterhaltung dass der Blog
Noch immer nicht fertig geworden ist
Was sich jetzt ganz heftig ändern soll
Ich schlaf sonst hier noch ein
Gute (Mitter-)Nacht allerseits

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Jerusalem

Nach einem gemütlichen Frühstück in der Field School
Packe ich wieder einmal meine Taschen neu ein und sage ade
En Gedi ist wirklich ein wunderschönes Stückchen Erde
Der Busfahrer läßt mich mein Ped selbst einpacken
Das ist mir sehr lieb – ich polstere es mit den Taschen gut ab
Dann geht es Richtung Norden und hoch nach Jerusalem

Wieder merke ich wie klein die Welt ist
Im Bus sitzten ein paar Deutsche
Sie sind schon im Kibbuz En Gedi zugestiegen
Wie nennt sich ihr Fahrrad? Mein Schwager hat auch so eins!
Der ältere Herr der das fragt ist aus Bamberg
Er will drei Jahre oder mehr hier im Kibbuz verbringen

Der Bus lässt mich in der Nähe der Altstadt raus
Es geht noch durch das Kidron Tal und dann den Berg hoch
Durch das Jaffa-Tor fahre ich in das orientalische Jerusalem
Aber mit Fahren ist hier nicht viel
Ehe ich mich versehe bin ich mitten in den Souks
Innerhalb 5 Minuten wollen 3 Händler mir das Ped abkaufen

Ich hab mich völlig verfranzt
Alles ist eng
Massen von Touristen – Arabern und israelischen Polizisten
Und ich dazwischen mit meinem beladenen Kamel
Jede Straße ist letztlich eine Treppe – auf- oder abwärts
Meine Karte taugt hier nichts

Eine Ordensschwester hilft mir weiter
Letztlich ist mein Hostel genau an der
Ersten Station der Via Dolorosa
Der erste Kreuzzug heute kommt mir entgegen
Sechs Leute tragen das Kreuz und singen
Fünfzig andere filmen und fotografieren wie wild

Die Via Dolorosa ist ein Unicum
Massig Touristengruppen
Gelbe Cäppies – rote Cäppies – grüne T-Shirts – etc
Und vorne weg der Führer mit erhobenem Regenschirm
Die Gruppen zusammen zu halten ist wohl das Schwerste
Die Händler schaffen es immer einige in ihre Läden zu locken

Mein Hostel ist der Ecce Homo Convent
Altehrwürdig und wunderschön mit Dachgärten
Von dort hat man Felsendom und Ölberg gut im Blick
Es ist sehr heiß und der Wind ist sandig
Gegen Abend kühlt es mächtig ab
Ich suche meine lange Hose und Jacke

Um Sechs habe ich mich mit Susanne aus En Gedi
Zum Abendessen verabredet
Sie wohnt im Hostel an der Citadelle
Dort schlafen die Hiker auf der Dachterasse
Jeder bekommt eine Matraze und hofft auf trockenes Wetter
Supergute Aussicht hier und die urigsten Typen

Nachts suche ich die höchste Terasse meines Hostels
Hier gibt es irgendwo ein offenes WLan
Petra ist online und wir skypen fast eine Stunde
Das ist wirklich genial und hilft gegen Heimweh
Bei mir ist ein wenig der Dampf raus
Radfahren kann man hier nicht wirklich

En Gedi

Früh am morgen habe ich die Karten gewälzt
Der besten Startpunkt für meine Wanderungen
Lässt sich doch mit dem Rad erreichen
Mit zwei Wasserflaschen breche ich auf
Es geht steil und steinig in die Berge
Der Weg nach ganz oben ist wegen der Hitze gesperrt

Aber die Quellen sind wunderbar
Eine junge Rangerin macht hier ihren Zivildienst
Sie spricht jeden Wanderer an viel zu trinken
Und lässt plötzlich die Hüllen fallen
Um in einem der wunderschönen Wasserbecken zu baden
Fünf Minuten später ist sie schon wieder 100 m höher unterwegs

Die Becken sind genial
Bei dieser Hitze lege ich mich auch hinein
Auch T-Shirt und Mütze mache ich nass
Beim Laufen sind die Sachen in 20 Minuten wieder trocken
Ich werde durch eine schweizerische Gruppe vertrieben
Wie Heuschrecken fallen sie ein und fangen auch noch an zu jodeln

Diese erste Tour war die kürzere heute
Jetzt laufe ich in das nächste Tal zu den ‚Hidden Falls‘
Dorthin gibt es einen Dryway und einen Wetway
Der trockene führt über viel Geröll weiter oben entlang
Der nasse Weg geht stellenweise im Flusslauf aufwärts
Beide Wege sind sehr gut markiert aber abenteuerlich

Drei Gruppen sind vor mir hat der Guide gesagt
Die erste höre ich lange bevor ich sie sehe
Israelische Schulkinder unterscheiden sich da kaum
Von ihren internationalen Altersgenossen
Jede Klasse wird von zwei bewaffneten
Vätern oder großen Brüdern begleitet

Eine weitere Schulklasse mit Jüngeren
Hat die Hidden Falls zum Baden belegt
Ich steige gleich wieder auf zu den ‚Upper Pools‘
Und weil es inzwischen schon Nachmittag wird
Bin ich dort tatsächlich mit ein paar Amis alleine
Ich liege im Wasser und zische ein noch fast kaltes Tuborg

Um drei Uhr soll ich spätestens wieder aufbrechen
Hatten die Ranger am Eingang gemahnt
An einigen Stellen zwischendurch sieht man sie auch
Von oben die Touristen beobachten
Hier muten sich wohl immer wieder Leute zu viel zu
Oder trinken zu wenig und machen dann schlapp

Um fünf liege ich in meiner Koje und lasse den Tag Revue passieren
Von dieser Sorte Tag könnte ich noch ein paar vertragen
Doch ab morgen habe ich mein Zimmer in Jerusalem
Ich will früh den ersten Bus nehmen
Laut Rezeption nehmen die Busse Räder mit
Ich fahre nochmal runter zum Strand um einzukaufen

Um 19:00 Uhr abends hatte ich mich zum Dinner angemeldet
Es sind einige Franzosen hier zu Gast
Aber auch noch ein deutsches Päärchen
Sie haben eine ähnliche Tour wie ich
Mit dem Mietwagen unternommen
Morgen wollen sie hier wandern gehen

Abends sitze ich mit einer älteren Lithauerin zusammen
Die Niederländerin kommt auch und geht sofort schlafen
Sie will morgen um 4:00 mit dem Bus nach Massada
Ich hatte Erdnüsse auf dem Tisch liegen
Jetzt führt eine massig frequentierte Ameisenstrasse hindurch
Alle kleinen Brösel werden von den Tierchen weggeschleppt

Kalia Beach – En Gedi

Heute Nacht gibt es wenig Schlaf
Die Karawanserei ist ziemlich stickig und heiß
Und es sind ein paar lästige Mosquitos unterwegs
Als es richtig hell wird stehe ich auf
Was sind das für Leute die alles so zumüllen?
Wer hier fertig ist lässt alles liegen und geht

Ein durchgestylter Mountainbiker am Strand von Tel Aviv
nimmt seinen alten Schlauch und wirft ihn in die Grünanlage
Aus den Autos fliegen die Wasserflaschen
Sobald halt eine leer ist
Und genauso so sieht es überall aus
Die absolute Härte war aber dieser Strand heute

Als ich gestern kam saßen da vieleicht 500 Leute und grillten
Irgendwann sind die einfach aufgestanden und gegangen
Berge von Dreck – Plastik – Papier – Verpackungen lagen noch da
Nachts kamen dann zwei Aufräumer mit Müllbeuteln
Das Gröbste haben sie beseitigt für mehr war die Nacht zu kurz
Die Klos waren einigermaßen – die Duschen unbeschreiblich

Trotzdem hat es heute morgen mit dem Bad im Meer geklappt
Ein netter Mensch hat sogar ein paar Fotos für mich gemacht
Ist schon ein nettes Gefühl nicht unterzugehen
Man muss nur sehr aufpassen auf Augen und Lippen
Das Wasser brennt und beißt
Und wer nicht aufpasst hat länger was davon

Um 10 vor Neun sitze ich wieder auf meinem Kamel
Wir reiten gemütlich zu Strasse hoch und dann nach Süden
40 km sind es bis En Gedi – das sollte bis Mittag erledigt sein
Die ganze Strecke ist ohne ein Stückchen Schatten
Wenn es am Rande Palmen gibt, sind die eingezäunt
Einziger Rastplatz ist eine Bushaltestelle mit Dach

Überall sieht man den früheren Wasserstand
Das tote Meer ist schon rundum verlandet
Kalia Beach wird bald ein Strand ohne Meer sein
En Gedi ist erreicht – total durchgeschwitzt
Es hat locker 40° im Schatten und ist total schwül
Mit 400 m unterm Meerespiegel ist das hier die tiefste Stelle der Erde

Das Youth Hostel hat keinen Platz für mich
Sie schicken mich hinauf zur Field School
Was so eine Art Naturfreundehaus mit Übernachtung darstellt
Ich bekomme ein schönes Mehrbettzimmer mit Sitzgruppe aussen
Nach einer erfrischenden Dusche radle ich die 5 km zum Kibbuz hoch
Nur dort gibt es einen Geldautomaten und Wireless LAN

Auf dem Rückweg geht es am Strand vorbei
Dort ist ein Schnellrestaurant und ein kleiner Shop
Wieder oben in der Field School penne ich sofort ein
Abends treffe ich zwei deutsche Mädchen mit großem Bruder
Sie sind in Haifa in einem Altenheim als Freiwillige
Arbeiten mit Holocaust-Opfern

Dann komme ich mit einer anderen Deutschen
Und einer Niederländerin ins Gespräch
Letztere ist UNO-Beobachterin im Libanon
hat aber nur noch 10 Tage und reist noch etwas herum
Susanne, die Deutsche, ist aktive Christin
Sehr netter Abend mit Gemsen, Pistazien und Rotwein

Das Ped habe ich an der Rezeption angekettet
Mein Hintern verlangt nach einer Pause
Immerhin bin ich jetzt schon 750 km in netto 10 Tagen gefahren
Morgen will ich mir die Quellen ansehen
Und beim großen Wasserfall ein Bad nehmen
Wird ein warmer Tag werden

Kamelreiten um Jericho

Heute bleibe ich in Beit Shean
Und werde die Gegend hier erkunden
Es gibt einen Park und historische Stätten
Morgen dann die lange Strecke zum toten Meer
Am Nordrand verheißt Lonely Planet ein kleines Paradies
Vielleicht komme ich zum Bad mit Zeitung?

Mist! Nun muss ich doch losfahren
Das Hostel ist komplett ausgebucht über Wochenende
Wenn ich das gewusst hätte
Wäre ich schon 2 Stunden unterwegs
Aber ist ja klar – das Wochenende ist hier um einen Tag versetzt
Heute ist Freitag – der Tag vor dem Feiertag

Der Start war also nicht so klasse heute
Meine Taschen sind schlecht gepackt
Ich hab nirgends Wasser kaufen können
Vielleicht hätte ich noch zum Geldautomaten gesollt
War total auf Relaxen eingestellt
Und den Ort hab ich mir auch nicht näher angesehen

Aber eins nach dem Anderen wird gut
Kurz vor der Westbank kommt ein kleiner Laden
Mit 3 dicken kalten Wasserflaschen sollte ich hinkommen
Die Kohle reicht auch noch 2 Tage
Und es geht gut zu fahren
Um 10:00 passiere ich den großen Zaun

Die Landschaft rechts und links läßt sich vielleicht
Als hügelige Steppe bezeichnen
Zumindest wächst noch hier und da ein Baum
Hügelig bleibt auch die Straße
Aber insgesamt soll es ja bis zum toten Meer 400m runtergehen
Am Vormittag ist es auch windstill

Bis halb zwei hab ich 50km auf dem Buckel
Es geht jetzt ab und zu durch Pali-Dörfer
Man merkt es schon am zunehmenden Müll überall
und an den vertrockneten Feldern
Die Bewässerungschläuche liegen da
Aber irgendwas ist wohl kaputt

Das Frühstück heute in dem Hostel war recht spärlich
Aber so richtig was Nettes finde ich unterwegs auch nicht
Irgenwann hole ich mir ein Falafel und ein alkfreies Bier
Sitze unter dem Ventilator und schaue dem Treiben der Araber zu
Hier scheint jeder jeden zu kennen
Ein stetes Winken, Hupen und Rufen

Habe schon zwei Flaschen Wasser intus
Es ist mächtig heiß geworden
Der warme Fahrtwind trocknet total den Mund aus
An einem Stand in einem Dorf hole ich Nachschub
Pistazien und frisches Wasser
Noch 30 km bis Jericho

Beim letzten Stop kam ein zerlumpter Jugendlicher angeschlendert
hatte einen Knüppel in der Hand und sah sehr finster aus
Die Frau die mir das Wasser verkaufte fing an zu kreischen
Eine zweite kam angerannt und beide verscheuchten den Knilch
Sonst sind alle sehr freundlich und winken mir hinterher
Einige Schafhirten bieten mir Tee und einen Platz im Schatten an

Die erste Abfahrt nach Jericho ist mit Betonblöcken versperrt
Jetzt muss ich ganz außen rum
Dann habe ich plötzlich zuwenig Luft im Hinterreifen
Neulich hatte ich noch geunkt wegen Reifenpanne vor Jericho
Ich pumpe zweimal nach und komme irgendwie
Bis zur zweiten Abfahrt nach Jericho

Auch die ist mit Tor und Wachturm versperrt
Die Palis sind pragmatisch
Neben der Straße gibt es einen Graben
Die Autos lassen alle aussteigen – fahren über die Böschung
Dann alle wieder rein und man sieht nur noch eine Staubwolke
Irgenwann taucht das Auto hinter dem Tor wieder auf

Bei den Israelis ist keiner zuhause
Im Schatten des Wachturms repariere ich mein Rad
Bei der Gelegenheit will ich die Mäntel tauschen
Der hintere hat die Hauptlast und ist sehr rissig
Opfere wieder ein schönes deutsches Fußball T-shirt
Um meine Finger hinterher halbwegs sauber zu kriegen

Meine Reifen sind sehr empfindlich
Wenn man nicht vorsichtig ist bei der Montage
Laufen sie sehr unrund mit Höhenschlag
Ich bin sehr vorsichtig aber trotzdem
Nach der Reparatur hüpft und eiert das Ped wie blöde
Es bekommt einen neuen Spitznamen: rotes Kamel

So reite ich hüpfend, schwänzelnd und eiernd um Jericho
Auch wieder mal durch einen Kontrollposten
Endlich kommt eine Tankstelle
Ich lasse die Luft nochmal ab und richte die Mäntel sauber aus
Und dann gibt es die nötigen 70 PSI mit der Druckluftpistole
Neben uns parkt gerade ein echtes Kamel

Mein Ped ist wie neu geboren
Beschwingt sause ich die Strasse zum toten Meer hinab
Der erste Strand hat nix zum übernachten
Am zweiten werde ich fündig
Für 20 Euro darf ich mit Kamel im großen Zelt schlafen
Im Restaurant esse ich marokanisch – Cuscus mit Rindfleisch und Bier

Um Neun liege ich im Bett und penne
Später kommt ein Ami-Pärchen und macht sich bettfertig
Sie sind merklich enttäuscht dass sie nicht allein sind
Weil ich sowieso wach bin ziehe ich mich wieder an
Schnappe meinen PC und geh am Strand was schreiben
Mein Lieblingsweib fehlt mir grad ganz fürchterlich

Morgen will ich auf jeden Fall mal baden
Mit dem Lonely Planet im toten Meer
Vielleicht fahre ich dann noch nach En Gedi
Sind nur 40 km – und ist wunderschön
Da gibt es den zweiten kleinen israelischen Wasserfall
Und Steinböcke und viel zum Wandern

Gonen – Beit Shean

Um 9:00 habe ich ausgecheckt
Bin irgendwie ziemlich zerschlagen
Die ewigen bergauf Strecken zeigen doch Wirkung
Von Gonen nach Süden geht es gleich wieder aufwärts
15 Minuten hoch und 2 Minuten Abfahrt
Gestern ohne Taschen war das viel leichter

Zweimal kreuze ich den Jordan
Dann geht es richtig auf die Höhe
Ein Denkmal in einer alten syrischen Stellung
Vor der aus sie den Kibbuz Gadot unten beschossen hatten
Bis im 6-Tage-Krieg die Syrer vertrieben wurden
Unten ist jetzt Ruhe und oben erzählt ein Automat die Geschichte

Überall Minenfelder und abgebranntes Gelände
Die Israelis lassen die Minen liegen
Wer weiß – wofür sie noch nützlich sind
Zerschossene Häuser und gesprengte Bunker überall
Auf einigen Minenfeldern weiden Schafe
Dadurch erledigen sich die Minen auch mit der Zeit

Ups – endlich oben – was für eine Schinderei
Dann einmal eine schöne lange Abfahrt bis zum See
Nicht zu steil – einfach gemütlich hinabgleiten
Der See Genezareth ist komplett im Dunst versteckt
Die Fernsicht ist hier überhaupt sehr eingeschränkt
Bei Kaffee und Kuchen überlege ich wie es weitergeht

Die Strasse ist weit vom See entfernt
Es gibt Zufahrten zu Strandgebieten
Eine bin ich hinunter und wieder naufgeschauft
Die wollten 10 Euro Eintritt
Damit streiche ich den Plan der Umrundung
Mit der Westbankdurchquerung habe ich noch Zweifel

Jetzt bin ich 50 km gefahren
Bis Beit Shean sind es noch 40
Das ist die letzte Station vor der Westbank
Dann muss ich mich entscheiden
Unten am See kommt ein frei zugängliches Stück
Ich tappse mit Sandalen durchs lauwarme Wasser

Dann kommt böiger Wind von der Seite auf
Die dritte Jordan Überquerung heute
Ab hier ist der Jordan Grenzfluß zu Jordanien
Nicht zu fassen – mir kommt ein Radler entgegen
Mit Taschen bepackt und ! deutscher Flagge !
Andreas aus Köln – kommt gerade aus En Gedi

Ich lasse mir ausführlich berichten
Westbank soll wirklich kein Problem sein
Gute Straßen – wenig Verkehr – kein Ärger
Andreas will noch nach Tiberias
Dann sehe ich die erste Schlange – vom Auto überfahren
Kann nicht mehr weg weil das Rückrat zerfetzt ist

Ich traue mich nicht das arme Vieh anzufassen
Der Kopf saust noch hin und her
Doch eigentlich will ich sie unter einen Busch legen
Da könnte sie wenigstens in Ruhe sterben
Hinterher komme ich mir sehr feige vor
Es wäre sicher nicht gefährlich gewesen

Nach 80 km meckert mein Hintern
Ich vertröste ihn – wir sind bald da
Aber die letzte Strecke hat es in sich
Steil hinauf ohne Seitenstreifen
Und ewiger Gegenwind bei viel Verkehr
Endlich hat es ein Ende – Beit Shean ist erreicht

Das passt gut – meine zweite Wasserflasche ist auch leer
4 Liter habe ich heute schon getrunken
Und Durst wie eine Bergziege
Das zweite Haus links ist ein Hostel
Ich bekomme ein Zimmer mit Aussicht nach Jordanien
Und ein Sandwich mit Carlsberger vom Faß im Imbiss gegenüber

Jetzt überlege ich vielleicht einen Tag Pause einzulegen
Bis Jericho sind es nochmal 100 km
Und von da bis Jerusalem 1200 Höhenmeter
Das kann ich in zwei Tagen schaffen
Aber eigentlich bin ich ziemlich platt
Mal sehen was mir morgen dazu einfällt

Radeln auf den Golanhöhen

Heute ist alles ganz entspannt
Muss nirgendwo ankommen
Habe von Joschi eine Karte und Tipps bekommen
Und dann geht es ohne Gepäck auf einen Höhenweg
Super-Aussicht hier mit Sonnengarantie
Ganz oben fällt mir auf: Meine Wasserflasche liegt im Zimmer

Joschi zeigt mir die guten Sachen

Joschi zeigt mir die guten Sachen

Rechts und links raschelt es ständig im Gebüsch
Tausend Viecher springen und rennen
Wenn sie mich ankeuchen hören
Diese nette Dame hier
War nicht schnell genug
Sie hat erstmal den Kopf eingezogen

Golanesische Wegschildkröte

Golanesische Wegschildkröte

Joschi hatte mir ein Wadi eingezeichnet
Achte auf schöne Blumen rechts
Dann kommt links ein geschlossenes Tor
Da zwängst Du Dich durch – doch das geht!
Zehn Meter tiefer liegt ein kleiner See
Die Blumen, das Tor, der kleine See und …

Ein wirklich hübsches Mädchen
Im nassen Badeanzug
Sitzt wie versteinert auf seinem Handtuch
Als ich plötzlich um die Ecke komme
Sie sieht nicht wirklich glücklich aus
Höflich grüßend mache ich mich davon

Ein Kibbuz jagt hier den anderen
In Sharim gibt es Wasser zu kaufen
Gleich dahinter kann ich Brunnenbohrern zuschauen
Dann kommt wieder ein kleines ‚Nature Reserve‘
Das Ganze bei ausgewaschenen Schotterwegen
Ich mache mir Gedanken um meine Reifen

Der hintere zeigt schon ein paar Risse
Und er soll doch noch 14 Tage halten
Kurz vor Jericho möcht ich keine Panne haben
Also Schluß mit Schlaglöchern und Schotter
Abfahrt zur Straße
Aber superschön war es da oben!

Und oben kreisen die Geier

Und oben kreisen die Geier

Als erstes finde ich ein tolles Restaurant
Im Garten blubbern mehrere Quellen
Wasser plätschert an den Tischen vorbei
Stilgerecht gibt es ‚Grilled Trout‘ – Forelle gebacken
Wieder die Näpfchen mit Salat und Soßen
Und ein gutes Bier vom Faß

Bei einem Bier ist es nicht geblieben
Und mit schweren Beinen fahre ich weiter
Banias und Dan sind Quellflüsse des Jordan
Der Banias hat sogar einen schönen Wasserfall
Ein sehr beliebtes Ziel für jeweils 20 Busse
Aber das ist ok – es ist wirklich schön hier

Über den Quellen thront der Mount Hermon
An seinem Rand liegt die Burgruine Nimrod
Sollte Damaskus vor den Kreuzfahrern schützen
Und wurde später von Erdbeben zerstört
Es hallen Schüsse aus den libanesischen Bergen
Die IDF ist überall präsent

Der Heimweg ist wieder klasse
Der ganzen Tag bergauf geschnauft
Bin ich in einer knappen Stunde in Gonan zurück
Der Whirlpool wartet und ein
Abendessen vom Buffet
Heute kaufe ich einen 2009er Yarden vom Mount Hermon
Mit schwarzen Oliven zum Tagesabschluß

Der Kinderspielplatz des Kibbuz

Der Kinderspielplatz des Kibbuz

Kunst mit dem Schweißgerät

Kunst mit dem Schweißgerät

Sundowner über Libanon

Sundowner über Libanon

Morgen radle ich wieder südwärts
Mein Ziel wird der See Genezareth
Sollte doch gelacht sein
Wenn das diesmal nicht klappt
Mit einmal drumherum
Mal sehen

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