Das Wolferl aus dem wilden Wald

Weit weit draussen
Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen
Lebt tief im Wald
Dem heiligen St. Eigerwald
Das Wolferl
Das wilde grausliche Wolferl
Naja, ganz so grauslich ist das Wolferl nicht
Meistens ist es ein ganz braves Wolferl
nur zum Gegner sollte man es sich nicht machen!

Das Dorf in dem das Wolferl haust
Ist das Dorf der Wasser-Bären
Wenn man hindurchgeht
Und meint
Man hätte schon alles gesehen
Das kleine Sägewerk
Den Dorfweiher
Die beiden Dorfschönheiten
Und glaubt
Die Welt sei da eh gleich zuende
Dann kommt – ganz hinten rechts – die dunkle Höhle vom wilden Wolferl

Aber das Wolferl
Verbringt nur wenig Zeit im Dorf der Wasser-Bären
denn jeden Morgen hetzt das Wolferl quer durch den Wald
nach Osten zu, bis es die großen petrolgrünen Wiesen erreicht
auf denen viele tausend Schäfchen weiden
Das Wolferl sorgt sich sehr um seine Schäfchen.
und kümmert sich um alles, was so anfällt und abfällt
Lauter ganz wichtige Sachen

Abends dann läuft das Wolferl wieder heim in das Dorf der Wasser-Bären
Zu Frau Wolferl und den liebreizenden Wolferlis
Und wenn Frau Wolferl es fragt, wie der Tag so war,
So brummt es nur vor sich hin,
Denn niemand könnte irgendjemandem erklären
Warum es bei den Schäfchen immer soviel Chaos geben muss.

Am nächsten Tag auf dem Weg zu den Schäfchen
Ist erstmal Stau
Da hat doch wieder Olli der Räuber den großen Mailfluß zum Überlaufen gebracht
Und alle Waldtiere im heiligen St. Eigerwald drängen sich
Auf dem einzigen noch trockenen Weg
Weil niemand gerne nasse Füsse bekommt

Endlich bei seinen Schäfchen angekommen,
Gibt es gleich Ärger mit Edi und Archi den beiden Maulwürfen
Die mit ihren unvermuteten Ausfällen und Auswürfen die Schäfchen zum Straucheln bringen
Das Wolferl löst das ganz elegant mit vielen, vielen Besprechungen
Es spricht so lange auf Edi und Archi ein
Bis den beiden die Lust auf alle Dummheiten vergangen ist

Abends rennt das Wolferl zurück
Ins Dorf der Wasser-Bären
Morgens geht es wieder zu den Wiesen
Immer im Sauseschritt – jahrelang
Das Wolferl wird grau
Und müde
Und spürt den Jäger im Genack
Zwei Schüsse sind schon gefallen
Streifschuss am Kopf
Und etwas tiefer
Aber das Wolferl läuft weiter
Pflichterfüllt und unbeirrt
Auch mit 50

Was soll ich ihm wünschen?

Ich drück ihm ganz dolle die Daumen
Dass er die Pflichten weniger wichtig nimmt
Dafür das Leben etwas wichtiger

Und ich beiß den Jäger ins Bein!

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Eine Antwort zu “Das Wolferl aus dem wilden Wald

  1. An dir ist ein Schriftsteller verloren gegangen 🙂
    Echt super toll geschrieben!!

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